Gewaltpräventionskonzept

Gewaltpräventionskonzept an der Grundschule Eschershausen

Schule bestimmt über einen langen und entwicklungspsychologisch entscheidenden Zeitraum das Leben von Kindern und Jugendlichen und hat deshalb einen starken Einfluss auf ihr Verhalten. Schulen sind ein wichtiger Ort für die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen und für die Umsetzung gewaltpräventiver Maßnahmen, um breitenwirksam gerade die Kinder zu erreichen, die in ihren Herkunftsfamilien nicht auf die notwendigen Ressourcen zurückgreifen können. Bereits vor über 10 Jahren forderte die unabhängige Regierungskommission der BRD zur Verhinderung und Bekämpfung von Gewalt, dass Schule sich auf ihren Erziehungsauftrag zurückbesinnen muss. Der Erziehungsaspekt und die Vermittlung gesellschaftlicher Normen müssen gegenüber der Wissensvermittlung wieder stärker in den Vordergrund treten. Die Gruppensituation in einer Klasse erlaubt es, dass sich die primäre Prävention an alle Kinder richtet und niemand durch eine Sonderbehandlung ausgegrenzt wird.

„Gibt es Gewalt an unserer Grundschule?“ Diese Frage lässt sich nicht mit ja oder nein beantworten. Wir leben in einem ländlichen Raum, wo es viele außerschulische Kontakte untereinander gibt. So werden aufkommende Probleme und Streitigkeiten häufig schon auf dieser Ebene gelöst.
In der Schule kann sich die überwiegende Anzahl der Schüler und Schülerinnen an Regeln halten, sich gegenseitig achten, höflich miteinander umgehen und sich auch schon verbal auseinandersetzen. Schwierigkeiten gibt es durch die steigende Zahl der verhaltensauffälligen Kinder, meist Jungen, die häufig noch keine verbindlichen Regeln für den Umgang miteinander gelernt haben. Oft zeigen sie auch Erwachsenen gegenüber unhöfliches, respektloses Verhalten. In den Pausen und an der Bushaltestelle fallen einige Kinder z.B. durch schubsen, hauen und treten auf, zeigen aber keinerlei Schuldbewusstsein. In vielen Fällen handelt es sich um eine unglückliche Art der Kontaktaufnahme. Diese Kinder sind unfähig sich angemessen jemandem zu nähern. Häufig fehlen ihnen die verbalen Möglichkeiten. Für friedliche Mitschüler entsteht manchmal ein erhöhtes Verletzungsrisiko oder sie entwickeln Angst gegenüber den aggressiven Schülern.
Während der Unterrichtsstunden gibt es nur selten physische Gewalt in den Gruppen. Häufiger werden Gegenstände versteckt, gelegentlich gibt es verbale Beleidigungen. „Schlimme“ Wörter und beleidigende Sätze, deren inhaltliche Bedeutung den Schülern oft nicht klar ist, gibt es dagegen häufiger in den Pausen.

Die Zusammenarbeit mit den Eltern klappt in den meisten Fällen gut. Leider gestalten sich Gespräche mit Erziehungsberechtigten von sehr aggressiven Schülern aber teilweise schwierig und eine gemeinsame Arbeit und damit Hilfe für das Kind kann häufig nicht ausreichend erreicht werden. Gegebenenfalls werden unsere Beratungslehrerin bzw. weitere Beratungskräfte des Jugendamtes, der Erziehungsberatungsstelle usw. zu Rate gezogen. Bei besonders schwerwiegenden Fällen können im Rahmen der Klassenkonferenz auch weitere Erziehungs- und Ordnungsmaßnahmen beschlossen werden.

Entscheidend für eine erfolgreiche Präventionsarbeit muss die Zusammenarbeit zwischen Schule, Eltern und Schülern sein. Dazu gehört eine positive Atmosphäre, die auf Respekt und Vertrauen basiert. Regelungen müssen von allen am Schulleben beteiligten Personen akzeptiert und eingehalten werden, damit sich ein positives Miteinander entwickeln kann. Konflikte sollen erkannt, besprochen und möglichst selbständig (aber gewaltfrei) von den Kindern geklärt werden. Gewaltprävention muss dabei das Selbstbewusstsein der Kinder stärken und ihnen Kraft und Energie geben. Die Schüler sollen lernen Rücksicht zu nehmen, mit Streit umzugehen, sich gegenseitig zu akzeptieren und zu helfen.

Die Regeln für einen rücksichtsvollen Umgang miteinander werden im Klassenverband erarbeitet. Dazu bieten sich folgende Unterrichtseinheiten an: „In der Altersgruppe“, „Mein Schulweg“ oder „Wir fahren Bus“ im Rahmen des Sachunterrichts sowie„Miteinander leben“und „Streiten/sich vertragen“ im Rahmen des Religionsunterrichts.

Zu den präventiven Maßnahmen an unserer Schule gehört ebenfalls eine bewegungsfreundliche Ausgestaltung des Schulgebäudes sowie eines Fußballhofes mit Fußballtoren, Tischtennisplatten und Basketballkörben sowie eines Spielplatzes mit diversen Spielgeräten. Ergänzt wird die Präventionsarbeit durch Gesprächs- und Problemkreise zur Beilegung entstandener Konflikte.

Eine Erweiterung der gewaltpräventiven Maßnahmen an unserer Schule bildet eine neu entwickelte Schulordnung. Außerdem ist das Gewaltpräventionsprogramm „FAUSTLOS“ angeschafft worden und wird im Unterricht eingesetzt.

Gewaltpräventionsprogramm „FAUSTLOS“:

Für die Lehrkräfte wurde begleitend eine Fortbildungsveranstaltung angeboten, in der ein Überblick über das Curriculum gegeben wurde. Dabei wurden Ziele des Programms erläutert und Unterrichtsstrategien anhand von Beispielen demonstriert. Zu den Leitlinien dieses Curriculums gehören die Förderung sozial-emotionalen Lernens sowie die Verhinderung der Täterschaft als auch der Opferschutz.

Gehemmte Kinder, die häufiger Erfahrungen als Opfer machen, lernen damit sich in Konfliktsituationen besser zu behaupten und somit zu schützen.Genau das bietet „FAUSTLOS“, die deutsche Version des US-amerikanischen Programms „Second Step“. Für den Einsatz im Unterricht gibt es einen Koffer mit einem Handbuch, diversen Farbfolien und einem Anleitungsheft für die einzelnen Lektionen.

Gegliedert ist das Konzept in drei Einheiten: Empathieförderung, Problemlösung, Kontrolle des eigenen Verhaltens sowie Umgang mit Ärger und Wut. Bei der Gesprächsführung sollte berücksichtigt werden, dass das Erkennen von Gefühlen und ein einfühlsames Zuhören von entscheidender Wichtigkeit ist. Diese Fertigkeiten werden bei der Problemlösung in der zweiten Einheit angewendet. Sind Konflikte mit Wut verbunden, bedarf es zusätzlicher Strategien, die sich in der dritten Einheit finden.

Das Curriculum „FAUSTLOS“ für die Grundschule besteht aus 51 Lektionen. Sie sind für jede Klassenstufe spezifisch und werden immer komplexer, sodass eine altersadäquate und kontinuierliche Vermittlung sozialer Fertigkeiten gewährleistet ist.

„FAUSTLOS“ wird an unserer Schule ab dem Schuljahr 2006/2007 in allen Jahrgangsstufen eingesetzt und jährlich evaluiert. Damit die Wichtigkeit eines regelmäßigen Einsatzes deutlich wird, sind ca. 12 Unterrichtsstunden pro Schuljahr in jeder Klasse vorgesehen. Die Koordination liegt vorrangig beim jeweiligen Klassenlehrer/ bei der jeweiligen Klassenlehrerin.

Die Inhalte des Gewaltpräventionsprogramms "faustlos" werden in den einzelnen Jahrgängen an folgenden Stellen bearbeitet und sind in die schuleigenen Arbeitspläne eingearbeitet:

- 1. Klasse: Religion: "Nach der Verantwortung des Menschen in der Welt fragen"     (Konfliktsituationen/Regeln für ein gelingendes Zusammenleben)

- 2. Klasse: Religion: "Nach der Verantwortung des Menschen in der Welt fragen"     
(Ursachen für Streit; faires Streiten)

- 3. Klasse: Religion: "Nach der Verantwortung des Menschen in der Welt fragen" 
(Aufgaben des Menschen benennen, die dafür sorgen, dass "es sehr gut bleibt".)

- 4. Klasse: Religion: "Nach der Verantwortung des Menschen in der Welt fragen" (streiten - versöhnen)