Schulleben
Wenn Professor Dr. Dr. Würfel, Schwan Nino und Zauberer Oho Abschied nehmen
Wenn Professor Dr. Dr. Würfel, Schwan Nino und Zauberer Oho Abschied nehmen



Es ist kein gewöhnlicher Abschied, der am 1. Juli 2026 an der Grundschule Eschershausen bevorsteht. Wenn Lehrer Michael Skeries nach 36 Jahren seinen letzten Schultag erlebt, verlassen mit ihm auch zahlreiche Figuren die Bühne, die Generationen von Kindern begleitet, zum Lachen gebracht, zum Nachdenken angeregt und oft beim Lernen geholfen haben.
Denn Michael Skeries war in all den Jahren mehr als ein Grundschullehrer. Er war Erzähler, Puppenspieler, Regisseur und Stimmenkünstler zugleich. Wo andere Lehrbücher aufschlugen, ließ er Professoren, Schwäne, Zauberer, Waldwesen und biblische Gestalten auftreten. Sie machten Mathematik verständlicher, Geschichten lebendig und den Unterricht für viele Kinder unvergesslich.
Als Skeries im Sommer 1990 von der Realschule Bockenem an die Grundschule Eschershausen wechselte, brachte er nicht nur pädagogische Erfahrung mit, sondern auch seine Leidenschaft für das Theater. Damals leitete er noch das Marionettentheater „Ludibundus“, das aus sechs Spielern und einem Techniker bestand. Bereits im ersten Weihnachtsfest seiner Eschershäuser Zeit gastierte die Gruppe in der Aula der Grundschule mit dem Stück „Der Schuster Martin begegnet Gott“ – der Beginn einer Verbindung von Schule und Theater, die über Jahrzehnte Bestand haben sollte.
Im Laufe der Jahre traten einige der Theater-Figuren immer wieder im Unterricht auf. Viele von ihnen wurden für die Kinder zu vertrauten Bekannten, die regelmäßig im Klassenzimmer vorbeischauten.
Da wäre zum Beispiel der hochgelehrte Professor Dr. Dr. Würfel. Gemütlich auf seinem Rechensofa sitzend, führte er zahllose Klassen in die Geheimnisse der Mathematik ein. Seine besondere Höflichkeit sorgte dabei regelmäßig für Erstaunen: Die Kinder sprach er grundsätzlich mit Nachnamen an. Nicht selten stellte der Professor dabei fest, dass er deren Eltern bereits viele Jahre zuvor kennengelernt hatte – schließlich war auch er über Jahrzehnte Stammgast in den Klassenzimmern der Schule.
Weniger erfolgreich verlief dagegen die Bildungsreise des Zauberers Oho. Obwohl sich Generationen von Schülerinnen und Schülern redlich bemühten, ihm das Einmaleins beizubringen, blieb der selbsternannte Meistermagier in mathematischen Dingen hoffnungslos talentfrei. Dafür verstand er es umso besser, mit seinen großspurigen Auftritten für Gelächter zu sorgen.
Besonders ans Herz gewachsen ist vielen Kindern auch der schwarze Schwan Nino. Gemeinsam mit dem afrikanischen Kind Sina flog er ins Klassenzimmer und lernte dort Seite an Seite mit den Schülerinnen und Schülern das Lesen. War Nino einmal unterwegs, erhielt er Briefe aus der Schule – ein Zeichen dafür, wie sehr die Kinder mit ihm mitfieberten.
Der Fischer Petrus berichtete im Religionsunterricht von seinen Begegnungen mit Jesus, vom wunderbaren Fischfang und davon, wie aus einem einfachen Fischer einer der bekanntesten Jünger wurde. Und immer wieder kam der kleine Pelz aus dem Eschershäuser Wald herangewandert, um von seinen Erlebnissen mit dem Wassermann Nöck, den Gluckergeistern im Moor oder der alten Trulla zu erzählen.
Über dreieinhalb Jahrzehnte hinweg haben diese Figuren den Unterricht bereichert. Sie haben Wissen vermittelt, Fantasie geweckt und dafür gesorgt, dass Lernen nicht nur Arbeit, sondern auch Abenteuer sein konnte. Viele ehemalige Schülerinnen und Schüler dürften sich noch heute an ihre Begegnungen mit Professor Dr. Dr. Würfel, Oho, Nino oder dem kleinen Pelz erinnern.
Nun fällt zum letzten Mal der Vorhang. Professor Dr. Dr. Würfel verlässt sein Rechensofa, Zauberer Oho gibt seine vermutlich erfolglose Suche nach dem Einmaleins auf, Nino breitet noch einmal die Flügel aus, und auch Petrus sowie der kleine Pelz treten ihre letzte Reise an.
Gemeinsam mit Michael Skeries möchten sie sich bei allen Kindern bedanken, die seit 1990 die Grundschule Eschershausen besucht haben. Für unzählige gemeinsame Unterrichtsstunden, für Neugier, Lachen und Fantasie.
Oder, um es mit den Worten von Professor Dr. Dr. Würfel zu sagen: Meine Damen und Herren, ich möchte mich im Namen aller Theaterfiguren für 36 wunderbare Jahre bedanken. Es war uns eine Freude.


